Globart Academy

Laboratory

PHILOLAB: ECHORAUM

mit Echoraum

Freitag, 18 Oktober 2019

Beginn:

Ende:

Ausgangspunkt für das Format bildet Derridas Buch „Die Postkarte“, ein postmoderner Briefroman, der unzählige Postkarten enthält, bei denen nicht klar ist, wer sie geschrieben hat und an wen sie sich wenden. Diese experimentelle literarische Form ergibt sich aus Derridas Gedanken, die Schrift als Spur zu verstehen: das heißt, als eine Markierung, die zurückbleibt, die aber keinen Hinweis auf denjenigen_diejenige gibt, der_die sie hinterlassen hat. Die Schrift, die Postkarte bleibt, ohne Aufschluss darüber zu geben, an wen sie sich wendet und wer sie verfasst hat. 

Der Echoraum ist eine Methode – ein Schreib-Spiel – bei dem Möglichkeiten einer gemeinsam geteilten Schreib-Praxis erforscht werden: Unter den Teilnehmer_innen wird eine Reihenfolge ausgelost. Auf diese Weise wird der Zufall, der beim Schreiben immer eine Rolle spielt, bewusst als produktives Moment des Schreibprozesses eingesetzt. Teilnehmerin Nr. 1 verfasst einen Ausgangstext und schickt diesen an die Spielleiterin. Die Spielleiterin schickt diesen Text an die zweite Teilnehmerin in der Kette etc. Diese muss auf die Sendung antworten, ohne zu wissen, an 

wen sie sich richtet und an wen ihre Sendung weitergetragen wird. Damit wird auch eine Ethik des Schreibens erprobt, die sich die Frage stellt, was es heißt, „angemessen“ zu antworten. Bei der GLOBART Academy werden die Sendungen gemeinsam laut gelesen und präsentiert. Erst jetzt sehen die Teilnehmer_innen, wem sie geantwortet haben – und von wem und in welcher Weise ihre eigenen Texte beantwortet wurden. 

Auf diese Weise entsteht ein Raum, in dem sich Stimmen und Texte begegnen. Vorbild für diesen Raum ist das von Ovid in den Metamorphosen beschriebene Haus der Fama: ein Zwischenraum, in dem sich heterogene Stimmen kreuzen, aneinander reiben, Nachrichten wechseln, sich voneinander differenzieren, verändern, verketten und wieder trennen und auflösen. Damit bildet der Echoraum das Gegenstück zur Echoblase, die einen Einklang, ein „unisono“ erzeugt, bei dem Differenzen gerade nivelliert, vereinheitlicht und unhörbar werden.

Konzept und Autor_in: Eva-Maria Aigner, PhD-Student Institut für Philosophie Wien

Autor_innen und Mitwirkende: Eckardt Lindner (PhD-Student, Institut für Philosophie Wien), Ella-Mae Paul (Studentin Institut für Philosophie Wien), Elke Pichler (Choreographin, Tänzerin, Yoga-Lehrerin, Wien), Ralf Gisinger (PhD-Student, Institut für Philosophie Wien), Jonas Oßwald (Phd-Student, Institut für Philospohie Wien)